Aktueller Sachstand zu den AVR-Brennelementen

Jülich, 15.12.2014 – Das Forschungszentrum Jülich hat den Betreiber des Zwischenlagers Ahaus, die GNS Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS), beauftragt, die Ende 2012 ruhend gestellten Genehmigungsanträge für den Transport und die Einlagerung der AVR-Brennelemente in Ahaus wieder aufzunehmen. Dieser Schritt erfolgt, da erst im Frühjahr 2015 nach Abschluss einer Umweltverträglichkeitsprüfung in den USA klar sein wird, ob der schnellste Weg zur Räumung des Jülicher Zwischenlagers, eine Verbringung der Brennelemente in die USA, realisierbar ist. Die zuständige Atomaufsicht, das Wirtschaftsministerium NRW, hatte Anfang Juli 2014 die unverzügliche Entfernung der Kernbrennstoffe aus dem bestehenden Jülicher Zwischenlager angeordnet.

Zur Risikominimierung wird daher zunächst auch die zweitschnellste Option, ein Transport der Brennelemente ins Zwischenlager Ahaus, weiter verfolgt. Für die dritte Option, den Bau eines neuen Zwischenlagers in Jülich, ist der Nachweis der Erdbebensicherheit des bestehenden Lagers zwingend erforderlich. Dieser wäre Voraussetzung für einen weiteren Verbleib der Brennelemente im bestehenden Lagergebäude, bis ein Neubau in Betrieb genommen werden könnte. Die Untersuchungen zur Erdbebensicherheit dauern weiter an.
Das Forschungszentrum Jülich hat der Atomaufsicht Ende September ein umfassendes Konzept zur Entfernung der Kernbrennstoffe vorgelegt, das von der Aufsicht zurzeit geprüft wird. Bis zur abschließenden Entscheidung, welche der Optionen realisiert wird, ist es das Ziel des Forschungszentrums, alle drei Optionen offen zu halten und weiter zu konkretisieren.

AVR-Brennelemente: Atomrechtliche Anordnung

Jülich, 02.07.2014 – Das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk NRW (Wirtschaftsministerium NRW) hat als zuständige Atomaufsicht eine atomrechtliche Anordnung zur Entfernung der AVR-Brennelemente aus dem bestehenden Zwischenlager in Jülich (nachfolgend: AVR-Behälterlager) erlassen. Das Forschungszentrum Jülich ist demnach verpflichtet, ein Konzept zur Entfernung der AVR-Brennelemente aus dem AVR-Behälterlager vorzulegen. In diesem Konzept ist als mögliche Variante, beispielsweise die derzeit untersuchte Rückführung der AVR-Brennelemente in die USA, detailliert darzustellen. Das Forschungszentrum Jülich wird hierzu in enger Abstimmung mit allen Beteiligten bis Ende September denkbare Szenarien ausarbeiten und der Aufsichtsbehörde vorlegen. Bis zum Abschluss der Entfernung aller AVR-Brennelemente aus dem AVR-Behälterlager bleibt das Forschungszentrum Jülich durch die Anordnung zum Besitz der Kernbrennstoffe berechtigt. Die weitere sichere und rechtskonforme Lagerung der AVR-Brennelemente im AVR-Behälterlager ist damit gewährleistet.

In ihrer Begründung weist die Atomaufsicht darauf hin, dass ihr das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als zuständige Genehmigungsbehörde mitgeteilt habe, dass aufgrund neuer Erkenntnisse zur Erdbebensicherheit eine Prognose zum Abschluss des laufenden Genehmigungsverfahrens nicht mehr möglich sei. Deshalb ergebe sich jetzt die Notwendigkeit zur Anordnung der Räumung.

Hintergrund und Einordnung:

Das Forschungszentrum Jülich muss als Voraussetzung für die Erteilung einer Genehmigung für die weitere Aufbewahrung der AVR-Brennelemente im bestehenden AVR-Behälterlager in Jülich insbesondere Nachweise zum Prüfpunkt Erdbebensicherheit erbringen. Hierbei wird von der Genehmigungsbehörde (BfS) ein theoretisch denkbares Extremerdbeben (Wiederkehrperiode 100.000 Jahre) unterstellt, auf dessen Basis das Forschungszentrum Jülich nach dem entsprechenden technischen Regelwerk den Nachweis der Erdbebensicherheit für das bestehende Zwischenlager erbringen muss. Diese neuen Anforderungen liegen deutlich über den zum Zeitpunkt des Baus und der Inbetriebnahme des AVR-Behälterlagers gültigen Anforderungen nach damaligem Stand von Wissenschaft und Technik.

Um diesen Nachweis zu führen, hat das Forschungszentrum externe Sachverständige mit den hierfür geforderten komplexen Untersuchungen und Berechnungen beauftragt. Sie kommen nach aufwendigen Erkundungsarbeiten des Untergrundes zu dem Ergebnis, dass der geforderte Nachweis der Erdbebensicherheit im Fall des vorausgesetzten Extremerdbebens nicht mit standardisierten Verfahren erbracht werden kann. Die maßgebliche technische Regel fordert in einem solchen Fall weiterführende Untersuchungen, welche derzeit durchgeführt werden. Das Forschungszentrum Jülich hatte die Genehmigungsbehörde und die Aufsichtsbehörde umgehend über den aktuellen Sachstand informiert.

Pressemitteilung der Aufsichtsbehörde

AVR-Expertengruppe legt Bericht vor

26. April, Jülich – Das Forschungszentrum Jülich und die Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor hatten 2011 eine unabhängige Expertengruppe beauftragt, die Betriebsgeschichte des 1988 stillgelegten AVR-Reaktors aufzuarbeiten. Die Experten haben ihre Arbeit nun abgeschlossen und die Ergebnisse stehen zum Download zur Verfügung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Fragen einzusenden, die die Experten bei einer öffentlichen Veranstaltung am 10. Juni 2014 im Technologiezentrum Jülich beantworten werden.

14-04-26avr-expertenberichtsuebergabe

Christian Küppers übergibt den Expertenbericht an Karsten Beneke. Von links: Christian Küppers (Sprecher der AVR-Expertengruppe), Lothar Hahn (AVR-Expertengruppe), Prof. Volker Heinzel (AVR-Expertengruppe), Prof. Achim Bachem (Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich), Karsten Beneke (Stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich), Ulrich Schäffler (Kaufmännischer Geschäftsführer, AVR GmbH). Copyright: Forschungszentrum Jülich

 

Weitere Informationen

AVR-Expertengruppe

Bericht der AVR-Expertengruppe (Kurzfassung) (PDF, 329 kB)

Bericht der AVR-Expertengruppe (Langfassung) (PDF, 4 MB)

Stellungnahme des Forschungszentrums zum Bericht der AVR-Expertengruppe